Neonfarbener Schriftzug „SKY STAGE“ und dem Text „TESTLESERIFNOS“ auf dunklem Hintergrund

Statistiken:


  • Länge: 200.000 Wörter
  • Genre: Dark Romance, Psychologisches Drama, LGBTQ+
  • POVs: 3 (Mikah, Shion, Renji), Personaler Erzähler (Ich-Perspektive)
  • Zeitform: Präteritum (Vergangenheitsform)
  • Zielgruppe: Adult, 18+
  • Spice Level: 2/5 (Einzelne Spice-Szenen, nicht allzu explizit)
  • Romance Typ: Toxic Romance, Slow burn
  • Einzelband
  • Themen: Macht und Manipulation, Ausbruch aus toxischen Beziehungs- und Verhaltensmustern, Selbstfindung
  • Red flags: 10/10

Worum gehts?

Eigentlich wollte Mikah Ravn immer schon Musical-Theater in Toyko machen. Nur leider hat sie keinen Erfolg beim alles entscheidenden Vorsingen. Mittellos und ohne festen Wohnsitz muss sie sich eine Alternative suchen und gelangt so an den exklusiven Nachtklub "Sky Stage".


Doch nicht nur, dass der Klub voller schöner Frauen ist, die den perfekten Mann darstellen, die Leitung des Klubs untersteht dem ehemaligen Rockstar und Mikahs Idol Shion Kuroha. Die charismatische Klubbesitzerin findet schnell Gefallen an Mikah und nutzt ihre Bewunderung schamlos für die eigenen Zwecke aus.


Doch auch Renji Han, Shions jüngere Adoptivschwester, zeigt Gefallen an Mikah. Alles wird nur noch komplizierter, als Shion Mikah auf die Bühne zu Renji stellt.


Doch auch das Sky Stage ist kein Wunschkonzert. Shions eisernes Regime ist geprägt von Kontrollzwang, emotionaler Manipulation und einem Schuldenkonstrukt, das die Angestellten an den Klub bindet.


Kann Mikah dem Teufelskreislauf durchbrechen, bevor sie ein Teil davon wird?

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German title text “DIE CHARAKTERE {MIT BILDERN}” on a dark background with orange glowing decorative art

Mikah Ravn -

Vom Musical in die Traufe

Mikah stammt aus dem hohen Norden Japans aus Hokkaido. Dort hat sie während ihrer Jugend in einer lokal erfolgreichen Band die Leadsängerin gegeben, doch seit ihrer Kindheit schlägt ihr Herz nur für eines: Musicals.


Sie wagt den Sprung ins kalte Wasser und fährt (mit dem Segen ihrer Eltern) nach Tokyo, um dort hoffentlich eine Rolle im Ensemble der ansässigen Musicalszene zu ergattern. Aufgrund ihres Auftretens und Aussehens ist sie dabei jedoch wenig erfolgreich und muss sich deshalb eine andere Geldquelle suchen. So landet sie im Sky Stage.


Neben ihrer lauten Persönlichkeit hat Mikah ein ungewöhnlich gutes Gespür für Menschen, doch wenn Gefühle im Weg sind, wird das Bauchgefühl häufiger als nicht ignoriert.


Charakterzüge:

  • Energiegeladen und Bunt
  • Optimistisch
  • Leidenschaftlich
  • Dickköpfig
  • Impulsiv
  • Genderqueer


Magazincover mit einer Person in einem lila Oberteil vor blauem Hintergrund, mit der Überschrift „SkyStage“ und weiterem Text
Titelbild eines Modemagazins mit einem blonden Model in einem schwarzen Anzug vor rotem Hintergrund

Shion Kuroha -

Superstar, Klubbesitzerin, psychisch labil

Shion war eine der beiden Leadsängerinnen und Lead-Gitarristin der äußerst erfolgreichen und bekannten Band "Aka Hagetaka", die ungefähr 15 Jahre vor Beginn der Geschichte aus unbekannten Gründen auseinandergebrochen ist. Shion fand daraufhin eine neue Berufung und gründete das Sky Stage, das sie mit eiserner Hand führt.


Obwohl sie nach außen hin sehr charismatisch und diszipliniert wirkt, ist sie sich ihrer Wirkung auf andere Menschen, besonders hübsche Mädchen, durchaus bewusst und nutzt diese häufig aus. Unter der ruhigen Oberfläche lauert eine Person voller innerer Konflikte und Aggressionsproblemen. Ihr strenger Tagesplan ist im Sky Stage legendär.


Durch das Aufeinandertreffen und die aufkommende Beziehung mit Mikah arbeitet sie langsam die jahrelang unterdrückten Gefühle auf, nicht nur zu sich selbst und ihrer Familie, sondern auch zu den ehemaligen Mitgliedern ihrer alten Band.


Charakterzüge:

  • Unwiderstehlich charismatisch
  • Diszipliniert und ehrgeizig
  • Dominant
  • Nachtragend
  • Perfektionistisch
  • Bigender


Renji Han -

Wenn Loyalität zur Kette wird

Als Halb-Koreanerin hat man es in Japan nicht leicht. Renji hat sich aber noch nie daran gestört, wenn Leute auf sie herabgeblickt haben.


Sie ist Shions Adoptivschwester und Bassistin der Hausband des Sky Stage. Obwohl sie nach außen hin häufig den Punk gibt und viel zu viel Zeit in anderer Leute Betten verbringt, ist sie ihren Geschwistern gegenüber absolut loyal. Überschwappende Gefühle werden dabei mit ein oder vier Flaschen Alkohol weggespühlt.


Bis Mikah um die Ecke kommt.


Das Auftauchen des bunten Wirbelwinds bringt Renjis sonst so festgefahrene Welt ins Wanken. Unter dem Motto "She falls first and hard" durchlebt Renji ihr ganz eigenes Gefühlschaos zwischen dem, was sie will und dem, was sie tun sollte.


Charakterzüge:

  • Zynisch
  • Loyal
  • Emotional verschlossen
  • Bindungsscheu
  • Agender


Das Cover des SkyStage-Magazins zeigt eine stilisierte Frau mit blonden Haaren vor dunklem Hintergrund.

Das Setting - Modernes Tokyo

Tokyo schläft nie.


Als Herz der japanischen Unterhaltungsindustrie gibt es neben den belebten Einkaufsstraßen, vollen Touristenattraktionen und hellen Hochhäusern auch eine große Anzahl stark umkämpfter Bühnen, hinter denen Künstler*innen für ihren Durchbruch kämpfen.


Dazu zählen nicht nur die zahlreichen Theaterbühnen, sondern auch die unzähligen Klubs und Etablissments, die man Nachts aufsuchen kann.


Sky Stage entführt hinter die Fassade aus dem blank gestriegelten Tokyo, besucht die verschiedensten Bezirke abseits von Shibuya und anderen wohl bekannten Ecken und auch in den Untergrund, ohne vollkommend überwältigend zu wirken. Praktische kleine Fußnoten helfen dem Leser obendrein, schnell mit Preiskonvertierungen und Ausdrücken wie Onigiri* zurecht zu kommen.


*Gefüllte Reisbälle. Wenn man einem gewissen Anime glauben darf: Gefüllte Donuts.


  • ! Info !

    Sky Stage bewegte sich genretechnisch nicht nur im Bereich Dark Romance, sondern ist auch ein Psychologisches Drama. Bitte behandle die Triggerwarnungen daher als ernstzunehmend.


    Ich möchte vorausstellen, dass ich die Geschichte und ihre Inhalte nicht romantisieren möchte. Die Charaktere (inklusive Mikah) sind problematisch und kämpfen mit eigenen, sehr realen Problemen. Solltest du feststellen, dass du oder jemand in deinem Umfeld sich in einer ähnlichen Lage befindet, bitte wende dich an eine Person deines Vertrauens um deine und die Sicherheit anderer zu gewährleisten.


    Alternativ wende dich bitte an die Telefonseelsorge unter 0800 1110111 / 0800 1110222 oder 116 123 

  • Triggerwarnungen

    • Emotionale Manipulation
    • Psychischer/Emotionaler Missbrauch
    • Machtgefälle und Machtmissbrauch
    • Toxische Beziehungen und Beziehungsmuster
    • Co-Abhängigkeit (Psychisch, emotional und monetär)
    • Einschüchterung/Erpressung/Ausbeutung
    • Selbsthass/Trauer
    • Verbale Gewalt
    • Physische Gewalt
    • Aggressionsausbrüche
    • Alkoholmissbrauch
    • Rauchen
    • Sex, Sexuelle Beziehung, One-Night-Stands, Sexuelle Machtdynamiken, Sex als Manipulationsmittel, Casual Sex
    • Diskriminierung und verinnerlichter Rassismus
    • Panikattacken
    • Depressionen
    • Angstzustände
    • Traumafolgen
    • Verdrägung und Dissoziation
    • Burnout
    • Isolation
    • Gaslighting
    • Kult-Strukturen
    • Fluchen
    • Menschenhandel und Handel mit Kindern (erwähnt)
  • Auszug aus dem ersten Kapitel zum Reinschnuppern

    Kapitel 1 - Mikah


    In Tokyo klingt der Applaus lauter, wenn er nicht für dich bestimmt ist. Genau so fühlte es sich zumindest an, während andere um mich herum ihren Erfolg feierten und ich nur auf die ausgehängte Liste starrte, auf der mein Name nicht zu finden war. Wie ein Mantra wiederholte ich meinen eigenen Namen in Gedanken.


    Mikah Ravn. Nicht japanisch, das gebe ich zu, aber wann hat man schon einmal die Wahl? Mein Gesicht ging bei flüchtiger Betrachtung gerade so als Japanerin durch.

    Trotzdem war es vermutlich mein Aussehen, das mir meine Chance vermiest hat. Das hatte ich bereits vorher gewusst und dennoch alles auf diese Karte gesetzt. »Wer ist der Typ denn?«, hatten sie hinter meinem Rücken geflüstert, als ich zum Casting die Türen des Theaters passierte. Ich war es gewohnt, für einen Jungen gehalten zu werden und ich korrigierte die Leute auch nicht, wenn sie mich für einen hielten. Meine Stimme, meine Kleidung, mein Gesicht und mein ganzes Auftreten ließ die um mich herum grübeln.

    »Und? Wie siehts aus?«, fragte ein junges Mädchen, das sich neben mich stellte und ebenfalls auf die ausgehangene Liste starrte. Sie war deutlich jünger als ich mit meinen 24, hübsch und die einzige, die mich während den elenden Stunden des Wartens auch nur halbwegs normal behandelt hatte. Ich brummte abweisend.

    »Ne. Hätte mich auch gewundert, wenn sie mich genommen hätten.«

    »Wieso?«

    »Du hast das Gesicht von dem Direktor nicht gesehen, als die mich reingelassen haben.« Ich lächelte schief. »Ich dachte, der Kerl kippt gleich vom Stuhl.«

    Das Mädchen kicherte leise. »Wer kommt auch schon mit Sidecut und knallbunten Haaren zu einem Musicalcasting?«

    »Hey!« Ich lachte. »Ich werde mich bestimmt nicht verdrehen, nur um jemandem zu gefallen. Rausstechen ist meine Spezialität.«

    »Als ob du mit deinem nördlichen Bauernakzent nicht schon genug rausstechen würdest. Nicht böse gemeint.«

    »Wenn du mich beleidigen willst, musst du schon größere Geschütze auffahren.« Ich stemmte die Hände in die Seiten. Was sollte ich jetzt machen? Irgendwie hatte ich fest mit der Rolle gerechnet. Ich winkte etwas ab. »Beim nächsten Mal klappt es. Bestimmt.«

    »Dann sehen wir uns nächsten Monat, schätze ich?«

    »Klar!«


    Ich griff mir meinen Rucksack, den ich unter einer langen Bank neben der Tür geparkt hatte, und lief erhobenen Hauptes aus dem Theater. Um nichts in der Welt wollte ich mir anmerken lassen, wie sehr diese Absage mich tatsächlich traf, also klebte ich mein Lächeln metaphorisch aufs Gesicht. Als ob die Stadt mir nur noch zusätzlich in die Suppe spucken wollte, traf mich die Abendluft wie ein Schlag ins Gesicht. Smog, der Geruch von billigem Kaffee und kalt trotz des Sommers. Ich zog die Lederjacke fester um mich und warf einen Blick zurück aufs Theater, das inzwischen von den grellen Neonlichtern der Stadt hell erleuchtet wurde. Die Reklame kündigte bereits jetzt das Highlight im nächsten Jahr an: Nao Takeda. Die Sängerin war alles, was ich gerne wäre. Genau wie ich war sie eine ehemalige Rocksängerin, meiner Lieblingsband Aka Hagetaka, hatte dann einen Umschwung in der Karriere hingelegt und war jetzt die wohl gefeiertste Schauspielerin Japans. Trotz ihres Erfolgs blieb sie auf den Musicalbühnen, die sie hier und da sogar ins Ausland brachten. In meinem naiven Leichtsinn hatte ich daran geglaubt, es auch zu schaffen. Vielleicht nicht ganz so erfolgreich, aber erfolgreich genug.


    Irgendwie fühlte sich das lange Proben auf den Bühnen meiner Heimatstadt wie verschwendete Lebenszeit an. Hätte ich meine Band vielleicht doch nicht auflösen sollen? Dabei war es so offensichtlich gewesen, dass meine Bandmitglieder alle so unterschiedliche Ziele hatten. 


    Seufzend griff ich nach meinem Handy. Der Daumen schwebte über dem Kontaktfeld: Papa. Ein Anruf hätte ausgereicht und er hätte mich getröstet, mich daran erinnert, dass zu Hause ein warmes Zimmer und ein kleiner Schimmer von Erfolg auf mich wartete. Doch auch wenn Menschen sogar von weiter weg gekommen waren, um in unserem Dorf meiner Musik zu lauschen, wollte ich einfach mehr. Papa würde mich nur wieder daran erinnern, wie schön es war, wenn man ganz intim nach den Konzerten noch zusammen am Feuer saß und tratschte, bis die Sonne wieder aufging. Dort hatte nie jemand gefragt, ob ich Mann oder Frau sei. Er würde mir sagen, dass Tokyo ein Fehler war. 


    Diesmal wollte ich es nicht hören. Ich wollte scheitern, ohne dass jemand Zeuge davon war. Besonders nicht Papa, der mir bei der Abreise seine letzten Ersparnisse in die Hand gedrückt hatte. Ich steckte das Handy zurück in die Tasche.


    Mein Magen erinnerte mich dann schmerzlich daran, dass Scheitern den Hunger nicht einfach wegzauberte. Ich bahnte mir den Weg durch ein Labyrinth aus Straßen, Leuchtreklamen und Menschen, die alle irgendwo hingehörten. Unter den Büroangestellten in ihren Anzügen und Frauen in engen Kostümen stach ich heraus wie ein roter Fleck auf einer schwarzen Leinwand. Nicht, dass ich das nicht schon gewohnt war. Sturheit war schon immer meine größte Waffe gewesen. Ich würde lieber untergehen, als mich anzupassen. Ein Bett verschaffte mir besagte Sturheit aber nicht. 


    »Eins nach dem anderen«, murmelte ich zu mir und trat in den nächstbesten Supermarkt. Die Verkäuferin an der Kasse sah genauso aus, wie ich mich fühlte: Müde, überarbeitet und mit leerem Blick. Kein Wunder, wenn man den ganzen Tag in einem Laden mit weißem Neonlicht, engen Gängen und vermutlich einem beschissenen Boss arbeitete. Nein, das war nichts für mich. Als ich aber meine Packung an billigen Ramen bezahlte, stellte ich fest, dass mein Geldbeutel deutlich leichter war als bei meiner Ankunft. Lange kam ich mit dem restlichen Geld nicht durch. Zudem bekam ich ohne einen Job keine Wohnung und ohne Wohnung keinen Job. Es war ein Teufelskreis.

    »Sie können das Essen da vorne aufwärmen«, sagte die Verkäuferin, die mich prüfend musterte, als überlegte sie, ob ich sie überhaupt verstehen konnte. Die Reaktion erwartete ich schon fast. Zwar war ich in Japan geboren und aufgewachsen, aber meine Großeltern kamen aus Europa. Die Gene hielten sich einfach hartnäckig und wenn man mich länger ansah, bemerkte man es doch. Ich entschied mich dazu, den offensichtlichen Rassismus zu ignorieren. Ein paar Sachen waren in Japan fest verankert und der Fremdenhass gehörte einfach dazu, wenn man nicht gerade wahnsinnig bekannt war. 

    »Danke«, bedankte ich mich und zwinkerte ihr zu. »Hoffentlich sieht man von da die Kasse gut. Ich schau mir gerne was hübsches an zum Essen.«

    Die Kassiererin wurde knallrot und ich hatte mein Ziel erreicht. Die beste Möglichkeit jemanden von seinem Rassismus abzulenken war, ihnen einfach etwas anderes zu geben, über das sie Panik schieben konnten. Ich war attraktiv und das war mir bewusst.


    Die kurze Freude änderte leider nichts an dem wirklich miesen Essen. Die kleine Schüssel Nudeln roch künstlich und nie zuvor hatte ich das Essen von Mama so sehr vermisst. Für den Moment würde es reichen. Ich setzte mich auf einen Hocker, der in Reihe mit einigen anderen an einem langen Tisch stand, nahm das Handy nochmal heraus und suchte in meiner Nähe nach einem Nachtlager in Form eines Internetcafés. Die letzten paar Tage hatte das auch gut funktioniert und die Alternative war die kalte Straße. Nein, danke.


    Der Stuhl neben mir knarzte und jemand setzte sich neben mich. Ich ignorierte das. Schnell hatte ich gelernt, dass die Großstadt gefüllt war mit gesichtslosen, schnellen Bekanntschaften, die für sich blieben. Als ich so darüber nachdachte, überlegte ich, ob ich dieses Mädchen beim Theater überhaupt nach ihrem Namen gefragt hatte. Wenn ja, dann hatte ich ihn schon wieder vergessen.

    »Knausert Shion wieder am Buffet?« Ich fühlte mich nicht angesprochen, bis die Person neben mir mich mit dem Ellbogen anstieß. »Hey.«

    Mir wäre fast das Handy in die Suppe gefallen. Fragend sah ich zu der Person, die sich neben mich gesetzt hatte. Die zu einem Zopf nach hinten gezogenen, blonden Haare zeigten deutlich den Undercut. Der wieder unterstrich das kantige Gesicht, den klimpernden Ohrring und das Augenbrauenpiercing. Ich sah unweigerlich kurz hinunter und unter der schwarzen Lederjacke, die über den schmalen Schultern lag, gab ein tief ausgeschnittenes Top einen sehr eindeutigen Einblick. Nicht, dass es viel zu schauen gäbe. Wenn ich nicht einen ganz ähnlichen Körperbau hätte, dann hätte ich die Person für einen Mann gehalten. Allerdings bemerkte ich zu meiner Schande auch, dass die Gesichtszüge nicht rein japanisch waren. Koreanisch vielleicht? Offenbar konnte ich mich von einem gewissen Grundrassismus auch nicht ausnehmen. Ungefähr mein Alter, schätzte ich.

    »Entschuldigung?« Wovon zur Hölle sprach diese Person? 

    »Hat die Schicht nicht schon lange angefangen? Oder hast du Pause?«

    »... Ich glaube, Sie verwechseln mich.«

    Der kritische Blick, der darauf folgte, fühlte sich irgendwie anders an. Nicht abwertend, so wie es sonst der Fall war, sondern vielmehr neugierig. 

    »Oh. Sorry.« Sie lachte und fing an, mit den Stäbchen ihre eigene Schüssel Ramen umzurühren. Dem Geruch nach hatte sie sich für die gleiche Sorte entschieden wie ich. »Ich dachte, du bist eine der Kellnerinnen im Sky Stage. Optisch passt du da voll rein.«

    Ich runzelte die Stirn. Sky Stage? Nie gehört. »Was soll das heißen ›optisch‹?«

    Sie winkte ab, stopfte sich die ersten Ramen in den Mund. Die halbgaren Nudeln knusperten bei jedem Bissen. »Vergiss es, vergiss es!«

    Okay? Komische Person, dachte ich. Doch das alles war fast wie weggefegt, als ich das kleine Tattoo hinter dem Ohr der Fremden entdeckte. Aber konnte ich sie einfach drauf ansprechen? Ich drehte das Handy etwas und sah auf die Handyhülle, das genau das gleiche Zeichen zeigte: ein nordisch angehauchtes Design mit einem mit geraden Linien durchschnittenen Kreis in der Mitte und einem Flügel, der aus den Linien entstand. Ich hatte seit Tagen mit niemandem ernsthaft gesprochen, besonders nicht mit jemandem, der eine meiner Leidenschaften teilte.


    »Entschuldigung«, sagte ich jetzt etwas leiser. »Darf ich fragen ... Sind Sie ein Fan von Aka Hagetaka?«

    Die andere stoppte mitten auf der Hälfte eines Nudelwasserfalls, der aus ihrem Mund kam, schlürfte diese schnell auf und schluckte den Ballen hinunter, ohne großartig zu kauen. Keine beneidenswerte Fähigkeit und ich überlegte, ob ich im Zweifelsfall noch wusste, wie man den Heimlich-Griff anwendete. Wieder begegnete ich einem schiefen grinsen.

    »Wieso?«

    »Das Tattoo.« Ich deutete auf die Stelle und drehte dann mein Handy, um ihr das Logo zu zeigen, das die ganze Handyhülle einnahm. »Ich kann jeden Song spielen.«

    »Na, bestimmt nicht jeden.« Sie lachte. »Aber ja, ich kenn die Band gut. Hätte nie gedacht, mal einen Fan in freier Wildbahn zu treffen. Die meisten verfolgen nur noch Takeda.«

    »Takeda ist toll, ja, aber die Harmonie von der ganzen Band, die Kompositionen, die Auftritte und wie sie sich alle gegeben haben ist einfach der Wahnsinn gewesen!«

    Die andere lachte. »Wow. Hab noch nie jemanden gesehen, der das so sieht.«

    »Ich würde echt alles dafür geben, sie mal live zu sehen!«

    »Die Band gibts schon 15 Jahre nicht mehr. Ich glaube, da hast du wenig Glück.«

    »Ich weiß«, jammerte ich, warf den Kopf etwas in den Nacken. »Meine Mutter war mal auf einem Konzert und sie hat gesagt, es war der schönste Tag ihres Lebens. Noch besser als die Hochzeit mit Papa.«

    »Autsch. Muss hart für deinen Vater sein. Wen magst du am liebsten?«

    »Kokuchou«, sagte ich wie aus der Pistole geschossen. Da gab es keine andere Antwort. »Ich hab nur wegen ihr mit Gitarre angefangen. Mama hat sich immer darüber lustig gemacht, dass ich sie mein halbes Leben für einen Mann gehalten habe.«

    »Sie legt es auch ein bisschen drauf an, oder?« Die andere grinste breit und ich realisierte, dass ich wohl etwas zu enthusiastisch klang. Normalerweise bekamen die Leute dann diesen etwas herablassenden Gesichtsausdruck, aber diese Frau schien ernsthaft interessiert an meinem kleinen Ausfall. »Manche sagen, sie ist ein Gestaltwandler.«

    »Vielleicht hört man deshalb nichts mehr von ihr. Sie lebt einfach als völlig andere Person unter uns Normalsterblichen.« Ich kicherte etwas. »Wen magst du am liebsten?«

    »Och, ich leg mich da nicht fest.« Sie schlürfte jetzt auch den Rest der Suppe aus, als würde ihr jemand diese sonst jeden Moment unter der Nase wegklauen. Sie deutete auf meine noch unangerührte Schüssel. »Wenn du weiter wartest, dann hast du nur noch Brei.«

    »... Shit«, murmelte ich leise, stellte dann fest, dass es wohl noch nicht ganz zu spät war, aber die Nudeln waren auf jeden Fall weicher, als ich es gerne gehabt hätte. Wieder lachte die andere.

    »Willst du was zum Runterspülen? Ich geb dir was aus.« Die andere stand schon wieder auf. »Solange es nicht Champagner oder so ist.«

    »Das ist wirklich nicht nötig«, sagte ich zwischen zwei Bissen.

    »Unsinn! Wir sind doch jetzt Freunde, oder nicht?«

    »Ich weiß nicht einmal wie du heißt.«

    Etwas perplex trafen sich unsere Blicke. Dann kam das Grinsen zurück. »Renji Han. Sag aber Renji zu mir.«

    Also doch Koreanisch. Ich wusste es! »Mikah Ravn. Mikah reicht aber.«

    »Freut mich, dich kennenzulernen. Also? Was willst du haben?«


Meine Erwartungen:


  • Lesen des Dokuments mit Annotation in Form von Kommentaren, idealerweise direkt im Dokument
  • Beendigung des Dokuments im vorgegbenen Zeitraum (Deadline: -----)
  • Ausfüllen des Testleserfragebogens. Diesen könnt ihr euch hier im Vorfeld ansehen
  • Kommunikation vor, während und nach dem Lesen des Dokuments (via Discord oder Instagram)


Wichtig: Falls du an irgendeiner Stelle merkst, dass die Geschichte absolut nichts für dich ist, dann kommuniziere das bitte mit mir. Ghosting ist ein No-Go!

Was gibt es als Dankeschön?


  1. Individualisierte Dankeschönpost
  2. Exklusive Testleser-Promokarte mit individueller Rückseite (von mir illustriert)
  3. Dankeschönerwähnung auf Social-Media & Verlinkung

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